Luftschiff

Kölner Stadtanzeiger, 23.09.2010

Wenn die Fliegen in der Bowle ertrinken

PARALLELWELTEN Ein Abend mit Insekten und Leichen

VON JULIA LAPPERT
Bayenthal. Es wurde eng im kleinen Atelier des Kölner Künstlers Frank De Lentdecker an der Goltsteinstraße. Bereits zum sechsten Mal hatte der Dramaturg und Schriftsteller Klaus Fehling gemeinsam mit dem Maler Michael Hutter zur Veranstaltung „Parallelwelten“ eingeladen. Die Mitwirkenden schauen über den Zaun, um zu entdecken, „was nebenan geschieht“.

Klaus Fehling erzählte von einer Frau, die einen Abend mit Gästen vorbereitet – und sich dann in Gedanken an Fliegen verliert, die in ihrer Bowle ertrinken könnten. Einen naturwissenschaftlichen Blick auf „Parallelwelten“ lieferte die Kriminalbiologin Saskia Reibe. Auch in ihrer Arbeit finden sich die Fliegen wieder – sie geben wichtige Anhaltspunkte bei der Bestimmung des Todeszeitpunkts. Unbekümmert zeigte Saskia Reibe Bilder von zersetzten Leichen im Projektraum, und schockierte damit so manche Besucher. „Riecht das denn?“, fragte eine Dame mittleren Alters, nachdem sie einen Blick auf das Bild gewagt hatte. „Absolut“, antwortete Reibe gut gelaunt. Die Beschäftigung mit dem Tod in allen seinen Details ist ihr Beruf aus Leidenschaft.

Für den musikalischen Teil des Abends sorgte die Band „Pfandflasche“, die aus vier jungen Musikern besteht. Alexej, der Schlagzeuger der Band ist Michael Hutters Sohn. „Sie machen richtig gute Musik, deswegen wollten wir ihnen in diesem Rahmen die Möglichkeit zum ersten öffentlichen Auftritt geben“, sagte Klaus Fehling. Die Songs heißen „Container“, „Zebrastreifen“ oder „Brot“, die Texte zeugen von einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit Themen des Lebens. Der Ausbruch aus dem Alltag, die Existenz des Lebens und Gott, darüber denken die Jugendlichen in ihren Songs nach.

Schaurig wurde es bei einer Moritat, die Maler Michael Hutter, der auch Dichter ist, gemeinsam mit der Schauspielerin Dorothea Reinhold vortrug. In der grausamen Geschichte „Melchior Grün“ kommen riesige menschenverschlingende Würmer und unschuldige Jungfrauen vor. Die Moritat wurde von Hutter illustriert.

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