Luftschiff


Bonn-Biennale 2004

Bonner General-Anzeiger vom 17.6.2004 über Light:

Wenn Lebensgeschichten zu Lebenslügen werden

Das post theater mit „Light“ im Kult 41 in der Bonner Altstadt

Von Elisabeth Einecke-Klövekorn

Bonn. Schon der Aufklärungsphilosoph Diderot hat in seiner „Lettre sur les aveugles“ gedanklich mit dem Erkenntniswert der Blindheit experimentiert. Im Kult 41 versucht es jetzt das post theater (New York/Berlin) mit „Light„.

Zu sehen gibt es wenig in der von Max Schumacher, Alice Schauhoff, Hiroko Tanahashi und Andreas Horbelt konzipierten szenischen Raum- und Toninstallation für jeweils einen weiblichen und einen männlichen „Zuschauer“.

Man wird in einen stockdunklen Raum geführt, weiß nicht, wo genau man in der Finsternis Platz nimmt und hört einen kurzen Dialog (Text: Klaus Fehling). Die Stimmen vom Band tönen dicht hinter den beiden Köpfen, als ob sie durch sie hindurch gingen zu einem unsichtbaren Gegenüber.

Ein Mann und eine Frau reden über ihre Begegnung und ihre Wahrnehmungen, über seine Erblindung nach einem Autounfall. Keiner weiß, wie viel Wahrheit der Andere preisgibt, wie fremd oder nahe die beiden einander sind, was sie über die Verunsicherungen des Textes hinaus voneinander wissen, ob und wo Lebensgeschichten zu Lebenslügen werden und welche Macht wer über wen hat.

Diese Situation wiederholt sich im Raum, dessen Dimensionen man ebenso wenig erkennt wie Position und Gesicht der zweiten Person. Orientierung liefert nur das Gehörte, dessen Wirklichkeitsreflex erst das nach einer intensiven Viertelstunde wieder eingeschaltete Licht offenbart. Ein Experiment mit dem konkreten Täuschungspotenzial der Sinne. Unspektakulär, aber ziemlich dicht an der alten Aufklärung.

Die Kommentare sind geschlossen, aber trackbacks und Pingbacks sind gestattet.

loading