Luftschiff

KJT: Neues Stück kritisiert eine übertriebene Selbstoptimierung

Eine riesige mit Luft betriebene Figur – ein sogenannter Skydancer – wie man sie manchmal bei Sportveranstaltungen sieht, ist Star der neuesten Produktion im Kinder- und Jugendtheater, die das Haus für Jugendliche ab 13 Jahren empfiehlt. „“ heißt sie, und Freitag war Premiere an der Sckellstraße.

Alexander () steht bei Autounfällen und filmt das grausige Geschehen mit dem Handy, statt die Polizei zu rufen. Seinem alten Freund Tom () gesteht er, dass er dabei nichts empfindet, er fühle sich innerlich leer. Cut – wir sehen in mehreren Szenen, wie Alexander sich vom Babyalter an zu dem entwickelt, was er heute ist. Immer steht dabei die Selbstoptimierung im Vordergrund. Sandkastenfreundin Gretchen () verliert er aus den Augen, weil er sich eher zum YouTube-Star Miriam (Bianka Lammert) hingezogen fühlt. Diese YouTube-Rolle verhilft zu einigen witzigen Auftritten als überdrehtes Mode- und Partygirl, das Videos von sich selbst dreht.

Zwanghafte Züge

Zum Thema Selbstoptimierung und dass sie auch in etwas Negatives umschlagen kann, wenn man sie zu exzessiv betreibt, heißt es im Programmflyer: „Der Drang sich zu verbessern, sich zu entwickeln und immer wieder Neues zu lernen, ist im Menschen tief verwurzelt und sehr natürlich. Doch kann auch diese im Grunde positive Eigenschaft zwanghafte Züge annehmen.“ Somit hat dieses Stück von Klaus Fehling, bei dem Regie führt, ein ähnliches Thema wie das Klassenzimmerstück „Fit for future“ mit Bianka Lammert, das momentan ebenfalls im KJT läuft. Hier wie dort kommen auch die viel zitierten Helikoptereltern vor.

„Wertvoll – am besten bist du als du selbst“ ist eine Collage aus mehreren Szenen, die nur lose miteinander verbunden sind. Gretchen findet ihren einzigen Freund ausgerechnet in dem Trunkenbold Hubert (), Tom sieht seine Erfüllung als Rettungsassistent und versteht nicht, was sein Freund meint, wenn er sagt, Tom solle doch Karriere machen und viel Geld verdienen. Dazu toben die Schauspieler mit dem Skydancer herum, und immer wieder darf das überdrehte YouTube-Girl mimen. Insgesamt eine Produktion, die in die heutige Zeit passt, in der von Jugendlichen (und Erwachsenen) oft mehr verlangt wird (oder sie von sich selbst verlangen), als gut für sie ist.

Andreas Schröter (Quelle: https://www.torial.com/en/andreas.schroeter/portfolio/303003 12.4.2018)

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