Klaus Fehling

Der Begriff Seeklima oder auch Maritimes/Ozeanisches Klima bezeichnet den „Ozeanischen Temperaturgang“, da das Wasser der Ozeane als Temperaturpuffer arbeitet. Da sich die Wassertemperatur auf Grund der großen Wärmekapazität langsamer ändert als die Temperatur auf dem Land, wird das Land in der Nähe der Küste im Sommer vom Meer gekühlt, dafür im Winter von ihm erwärmt. Zudem reduziert der vergleichsweise hohe Wasserdampfgehalt der Luft die Sonneneinstrahlung. So kommt es im Vergleich zum Kontinentalen Klima zu wesentlich geringeren Temperaturunterschieden sowohl zwischen Tag und Nacht als auch zwischen Sommer und Winter.

In der Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger entspricht das Seeklima dem Typ Cfb.

Ursachen

Von ozeanischem Klima kann die Rede sein, wenn das Klima einer Region durch die Anwesenheit einer großen Wassermasse beeinflusst wird. Wasser fungiert in diesem Zusammenhang als Moderator; da sich Wasser aufgrund seiner großen spezifischen Wärmekapazität relativ langsam erhitzt und auch langsamer wieder abkühlt, wirkt es sowohl im Winter als auch im Sommer verzögernd. Dadurch sind die Sommer im Seeklima mäßig warm, die Winter aber auch nur mäßig kalt und jeweils niederschlagsreich.

Die reine geographische Lage (Küstenlage) ist alleine kein Hinweis auf Seeklima, da noch die Windrichtung in Betracht gezogen werden muss. New York beispielsweise liegt zwar direkt am Meer, hat aber wie der Großteil der Ostküste der USA Kontinentalklima, da die vorherrschende Windrichtung von West nach Ost geht und mithin die gewaltige Landfläche Nordamerikas das Klima bestimmt. Der Großteil Europas liegt hingegen unter dem Einfluss von Seeklima. Je tiefer man ins Landesinnere geht, desto ausgeprägter werden diese klimatischen Unterschiede; daher auch die kalten russischen Winter. Im Vergleich zu den USA ist der klimatische Unterschied ebenfalls deutlich sichtbar: New York liegt etwa auf dem gleichen Breitengrad wie Neapel, und München liegt auf der Höhe von Québec (Kanada). Im Schnitt sind die Winter in den europäischen Städten deutlich wärmer, ebenso sind extreme Wetterlagen (zum Beispiel Blizzards) selten.

Auch die Anwesenheit größerer Seen kann das Klima lokal beeinflussen. Mit dem Schrumpfen des Aralsees wurde dort ein mittlerweile 2–2,5 °C wärmerer Sommer und ein 1–2 °C kälterer Winter gemessen.[1] Auch auf der Bodenseeinsel Mainau lässt sich der Effekt nachweisen.

Beispiel

Ein seltenes subtropisches Hochlandklima, das mit einem echten ozeanischen Klima in geringer Breite zusammenfällt, hier am Beispiel von São Joaquim in Brasilien (Parallel 28).

São Joaquim
Klimadiagramm
JFMAMJJASOND
 
 
186
 
23
13
 
 
183
 
21
14
 
 
126
 
22
13
 
 
107
 
19
10
 
 
144
 
16
8
 
 
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15
7
 
 
200
 
15
6
 
 
143
 
17
7
 
 
186
 
17
7
 
 
183
 
19
10
 
 
167
 
21
11
 
 
137
 
22
12
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: INMET
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für São Joaquim
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 22,6 21,4 21,5 19,1 15,8 14,7 14,5 16,7 16,6 18,9 20,5 22,2 Ø 18,7
Min. Temperatur (°C) 13,3 13,6 12,7 10,4 7,6 6,8 6,0 7,1 7,2 9,6 10,8 12,3 Ø 9,8
Niederschlag (mm) 185,7 182,6 126,1 106,7 144,0 127,2 199,8 143,2 186,1 182,5 166,5 137,1 Σ 1.887,5
Sonnenstunden (h/d) 5,4 5,1 5,5 5,3 4,8 4,3 4,9 4,8 4,7 4,8 5,9 5,8 Ø 5,1
Regentage (d) 14 14 12 10 8 10 10 8 11 12 12 12 Σ 133
Luftfeuchtigkeit (%) 85,5 86,5 85,9 84,8 84,5 81,9 79,9 74,9 80,6 82,8 81,2 81,8 Ø 82,5
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
22,6
13,3
21,4
13,6
21,5
12,7
19,1
10,4
15,8
7,6
14,7
6,8
14,5
6,0
16,7
7,1
16,6
7,2
18,9
9,6
20,5
10,8
22,2
12,3
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
185,7
182,6
126,1
106,7
144,0
127,2
199,8
143,2
186,1
182,5
166,5
137,1
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: INMET

Quellen

  • Petra Demmler: Das Meer – Wasser, Eis und Klima, Verlag Eugen Ulmer, 2011. - ISBN 3-80015-864-7 Kapitel: Meer und Atmosphäre; populärwissenschaftliche Darstellung

Einzelnachweise

  1. E. Giese, G., Bahro, D. Betke: Umweltzerstörungen in Trockengebieten Zentralasiens (West- und Ost-Turkestan). Ursachen, Auswirkungen, Maßnahmen. (Erdkundliches Wissen, Heft 125). Stuttgart 1998.
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