Klaus Fehling

Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Landkreises Marburg-Biedenkopf Deutschlandkarte, Position des Landkreises Marburg-Biedenkopf hervorgehoben

Koordinaten: 50° 47′ N, 8° 46′ O

Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Verwaltungssitz: Marburg
Fläche: 1.262,55 km2
Einwohner: 246.648 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 195 Einwohner je km2
Kfz-Kennzeichen: MR, BID
Kreisschlüssel: 06 5 34
Kreisgliederung: 22 Gemeinden
Adresse der
Kreisverwaltung:
Im Lichtenholz 60
35043 Marburg
Website: www.marburg-biedenkopf.de
Landrätin: Kirsten Fründt (SPD)
Lage des Landkreises Marburg-Biedenkopf in Hessen
KasselLandkreis KasselWerra-Meißner-KreisSchwalm-Eder-KreisLandkreis Waldeck-FrankenbergLandkreis Hersfeld-RotenburgLandkreis FuldaVogelsbergkreisLandkreis Marburg-BiedenkopfLahn-Dill-KreisLandkreis Limburg-WeilburgLandkreis GießenMain-Kinzig-KreisWetteraukreisRheingau-Taunus-KreisHochtaunuskreisWiesbadenMain-Taunus-KreisKreis Groß-GerauFrankfurt am MainOffenbach am MainLandkreis OffenbachDarmstadtLandkreis Darmstadt-DieburgKreis BergstraßeKreis BergstraßeOdenwaldkreisBaden-WürttembergRheinland-PfalzBayernNordrhein-WestfalenNiedersachsenThüringenKarte
Über dieses Bild

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf liegt im Regierungsbezirk Gießen in Mittelhessen. Er ist geprägt durch eine Mittelgebirgslandschaft mit großen Wäldern und dem Fluss Lahn, der den Kreis von Westen nach Südosten durchzieht.

Zentrum des Landkreises und dessen einziges Oberzentrum ist die Universitätsstadt Marburg mit gut 70.000 Einwohnern. Weitere wichtige Städte (Mittelzentren) sind die ehemalige Kreisstadt Biedenkopf und Gladenbach, die beide im Westen des Kreises, im hessischen Hinterland liegen, sowie Kirchhain und der Wirtschaftsstandort Stadtallendorf im Ostkreis (Altkreis Kirchhain).

Geographie

Lage

Der Landkreis liegt im Norden des Regierungsbezirks Gießen. Kreisstadt ist das Oberzentrum Marburg. Das Kreisgebiet ist in seiner größten West-Ost-Ausdehnung etwa 76 Kilometer breit, in Nord-Süd-Richtung etwa 36 Kilometer.

Höchster Berg ist mit 674 m die Sackpfeife im äußersten (Nord-)Westen bei Biedenkopf. Höchster Punkt ist dabei die Spitze des 210 m hohen Funkmastes des Senders Biedenkopf, was addiert mit der Höhenlage des Standortes eine Höhe von 868 m ergibt.

Niedrigster Punkt mit etwa 168 m ist die Lahnaue zwischen Fronhausen und Sichertshausen im Süden des Kreises an der Grenze zum Landkreis Gießen.

Flächennutzung

Die Fläche des Landkreises lässt sich folgendermaßen aufgliedern. 14,3 % oder 17.996 ha sind Siedlungs- und Verkehrsflächen, 55.489 ha oder 43,9 % der Fläche sind landwirtschaftlich genutzt. Die Waldfläche beträgt 51.582 ha oder 40,9 %, 1.189 ha oder 0,9 % sind Gewässer.

Nachbarkreise

Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder-Kreis, Vogelsbergkreis, Gießen und Lahn-Dill-Kreis (alle in Hessen) sowie an den Kreis Siegen-Wittgenstein (in Nordrhein-Westfalen).

Naturräumliche Gliederung

[2][3]

Das Kreisgebiet liegt an der Nahtstelle dreier Mittelgebirgs-Großlandschaften. Eine in Nord-Süd-Richtung verlaufende Talsenke, die sich vom Norden des Landkreises über die Wetschaft-Senke (Münchhausen, Wetter, Lahntal) zieht, nach dem Überqueren des Lahn-Oberlaufes in die Elnhausen-Michelbacher Senke (westliche Marburger Ortsteile) übergeht und schließlich im Süden des Kreisgebietes (Weimar und Fronhausen) das Gießener Becken und damit wieder das Tal der Lahn trifft und darin seine Verlängerung findet, trennt die Ausläufer des Rheinischen Schiefergebirges im Westen von den Landschaften des Westhessisches Berg- und Senkenlandes (Haupteinheitengruppe 34) im Osten.

Das Obere Lahntal westlich Sterzhausens wiederum teilt in Ost-West-Richtung die Rheinischen Schiefergebirgs-Ausläufer in die des Rothaargebirges (Haupteinheitengruppe 33 – Süderbergland) im Nordwesten und die des (naturräumlichen) Westerwaldes (32) im Westen und Südwesten des Kreisgebietes.

Die bis 674 m hohen Ausläufer des Rothaargebirges (Sackpfeife nebst Vorhöhen) nehmen im Nordwesten nur kleinere Teile des Landkreises ein.

Das naturräumlich zum Westerwald gezählte, im Landkreis bis 578 m hohe Gladenbacher Bergland nimmt demgegenüber fast die gesamte westliche Hälfte des Kreises ein. Während der Nordosten vom Kuppenland der Damshäuser Kuppen um den 498 m hohen Rimberg geprägt ist, wird der Westen vom (knapp jenseits der Kreisgrenze) an der Angelburg bis 609 m hohen Plateau der Bottenhorner Hochflächen dominiert, das nach Norden in den Breidenbacher Grund allmählich zum Lahntal hin abflacht und nach Süden in den etwas weniger hohen Zollbuche-Höhenzug (bis 487 m) übergeht. Das letztgenannte Teilgebirge wird nach Osten hin umrahmt vom reliefarmen Hügelland des Salzbödetals, das nach Osten bis an die Lahn reicht.

In der zum Westhessischen Bergland gezählten Osthälfte des Landkreises werden in den größtenteils aus Buntsandstein bestehenden Rücken nur Höhen von um 400 m bei einer Reliefenergie von etwa 200 m erreicht. Hierzu gehören neben den das Lahntal bei Marburg begrenzenden Höhenzügen von Marburger Rücken und Lahnbergen auch der Burgwald im Norden, die Oberhessische Schwelle mit dem Neustädter Sattel im Osten und das basalthaltige Lumda-Plateau im Süden.

Alle genannten Höhenzüge (bis auf den Marburger Rücken) rahmen im Uhrzeigersinn die große und gänzlich unbewaldete Talsenke des Amöneburger Beckens mit dem markanten Basaltkegel der Amöneburg als einziger nennenswerter Erhebung ein.

Berge

Die als Ausflugsziele und Aussichtspunkte wichtigsten Berge des Landkreises sind die 674 m hohe Sackpfeife in den Rothaargebirgs-Ausläufern nördlich von Biedenkopf, der 498 m hohe Rimberg im Kuppenland nahe Dautphetal-Damshausen, die 538,7 m hohe Scheid (1 km östlich von Bottenhorn), das zur Zollbuche (Naturraum) zählende 498 m hohe Schönscheid südwestlich von Bad Endbach, die 454 m hohe an der östlichen Zollbuche bei Gladenbach-Erdhausen, der 387 m hohe Christenberg und Burg Mellnau im westlichen Burgwald unweit Wetters, der 380 m hohe Burgholz nördlich Kirchhains an der Oberhessischen Schwelle, die 365 m hohe, im Amöneburger Becken singuläre Amöneburg sowie der 380 m hohe Ortenberg mit dem Spiegelslustturm und der 370 m hohe Frauenberg auf den Lahnbergen nah Marburg.

Gewässer

Von den vielen Gewässern des Landkreises ist die Lahn mit einer Gesamtlänge von 242 km das mit Abstand größte Gewässer. Sie durchfließt den Kreis von Westen her bis etwa zur Mitte des Kreisgebietes, um sich bei Marburg nach Süden zu wenden und bei Sichertshausen das Kreisgebiet zu verlassen. Fast alle weiteren Gewässer fließen in die Lahn und gehören damit zum Rheineinzugsgebiet.

Eine Ausnahme bildet der durch den Neustädter Sattel abgetrennte nordöstlichste Teil. Der Neustädter Sattel gehört zur Rhein-Weser-Wasserscheide, weswegen die jenseits befindlichen Orte des Landkreises – welches genau die Ortsteile von Neustadt sind – zum Wesereinzugsgebiet gehören. Einziger erwähnenswerter Fluss ist hierbei die Wiera, die von links in die Schwalm, den wichtigsten Nebenfluss der Eder, mündet.

Im Nordwesten des Kreisgebietes in der Nähe der Sackpfeife bildet die Wasserscheide zur Eder genau die Kreisgrenze, im Norden an der Wetschaft-Senke verläuft die Wasserscheide grenznah, jedoch ausschließlich jenseitig. Im Westen verläuft die Kreisgrenze entlang der Wasserscheide zwischen Lahn und Dill und damit größtenteils der historischen Grenze zwischen dem ehemaligen Herzogtum Nassau und dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt folgend.

Folgende Flüsse und Bäche aus dem Flusssystem der Lahn sind für das Kreisgebiet von Bedeutung:

Name
Zufluss-
seite
Länge
[km]
Einzugs-
gebiet
[km²]
Mündungs-
höhe
[m. ü. NN]
Neben-
flüsse
Wichtige
flussnahe
Straßen
Gemeinden
Lahn entfällt 242 5964 s. u. B 62, B 3 Biedenkopf, Dautphetal, Lahntal, Marburg, Weimar, Fronhausen
Perf rechts 19,95 113,13 285 Gansbach,
Diete
B 253 (über Diete und Perf) Bad Endbach, Steffenberg, Breidenbach, Biedenkopf;
Gansbach: + Angelburg
Dautphe rechts 8,8 41,81 245 B 453 Dautphetal
Wetschaft links 29,0 196,21 192 Treisbach B 252 Münchhausen, Wetter, Lahntal
Treisbach: + nordöstliche Ortsteile Biedenkopfs
Ohm links 59,0 984 188 Klein,
Wohra
B 62 (über Klein und Ohm),
Landesstraße L3073 Kirchhain-Homberg,
Wohra: Landesstraße L3073 Kirchhain-Gemünden
Stadtallendorf, Amöneburg, Kirchhain, Cölbe;
Wohra: + Wohratal, Rauschenberg
Allna rechts 19,1 92,02 172 Ohe Gladenbach, Weimar, Marburg
Wenkbach rechts 7,2 20,77 168 -/- Weimar
Zwester Ohm links 20,0 69 167 Landesstraße L3048 Kirchhain-Fronhausen Ebsdorfergrund, Fronhausen
Salzböde rechts 27,6 137,85 154 Vers B 255 (nur kurzes Stück)
Landesstraße L3048 (Gladenbach-Fronhausen)
Bad Endbach, Gladenbach, Lohra, Fronhausen

Zwischen Kirchhain und Marburg bietet das Rückhaltebecken des größten Lahn-Zuflusses Ohm der Stadt Marburg bisher zuverlässigen Hochwasserschutz, im Westen hält der Perfstausee bei Biedenkopf bei Bedarf größere Wassermassen zurück. Zusätzlich sind im Bereich der oberen Lahn zum Beispiel zwischen Lahntal-Caldern und Lahntal-Sterzhausen im Rahmen eines Forschungsprojektes Maßnahmen zur Renaturierung und zum vorbeugenden Hochwasserschutz umgesetzt worden.

Klima

Die Jahresmittel der Niederschläge betragen im Raum Marburg etwa 600–700 mm, im gebirgigeren Westteil des Landkreises 850–1000 mm.[4]

Geschichte

Im Rahmen der hessischen Kreisreform wurden am 1. Juli 1974 die beiden Landkreise Marburg und Biedenkopf zusammen mit der kreisfreien Stadt Marburg zum neuen „Landkreis Marburg-Biedenkopf“ verschmolzen.[5] Die Stadt Marburg wurde dabei, um ihre 18 (äußeren) Stadtteile vergrößert, eine der sieben Sonderstatusstädte in Hessen.

Folgende Änderungen der Kreiszugehörigkeiten wurden dabei, von der Fusion abgesehen, vorgenommen:

Mit der Zusammenlegung wurden zwei 350 Jahre getrennte Verwaltungsgebiete wieder vereinigt, die aus historischer Sicht zusammengehören. Auch naturräumlich sind der ehemalige Landkreis Marburg und der Landkreis Biedenkopf als zusammengehörig anzusehen.

Der Raum Marburg-Biedenkopf war ehemals die trachtenreichste Region Deutschlands (z. B. Hinterländer Trachten, Marburger Trachten).

Geschichte vor 1974

Das heutige Kreisgebiet gehörte im Laufe der Geschichte überwiegend zur Landgrafschaft Hessen, einige Gebiete auch zum erzbischöflichen Kurfürstentum Mainz. Bei der hessischen Landesteilung kam der Raum Marburg zu Hessen-Kassel, das sog. Hinterland (die Ämter Battenberg, Blankenstein, Biedenkopf, und ) zu Hessen-Darmstadt. Das kurmainzische kam erst 1803 zu Hessen-Kassel.

1821 bildete das Kurfürstentum Hessen-Kassel die Landkreise Marburg und Kirchhain. Im Großherzogtum Hessen (Darmstadt) entstanden die Landratsbezirke Battenberg (mit Biedenkopf) und Gladenbach, welche 1832 zum Landkreis Biedenkopf vereinigt wurden. Im Jahr 1866 annektierte Preußen das Kurfürstentum Hessen und das Herzogtum Nassau, die es zur Provinz Hessen-Nassau zusammenschloss. Gleichzeitig erhielt Preußen vom Großherzogtum Hessen den Landkreis Biedenkopf, so dass alle drei Landkreise Bestandteil der Provinz Hessen-Nassau wurden. 1929 schied die Stadt Marburg in den Grenzen[8] der heutigen Kernstadt (jedoch noch ohne Ockershausen, welches am 1. Januar 1931 eingemeindet wurde) aus dem Landkreis Marburg aus und wurde kreisfrei. Drei Jahre später, 1932, wurde der Kreis Kirchhain mit dem Kreis Marburg vereinigt, ferner wurde der Kreis Biedenkopf neu gegliedert. Er verlor rund 40 % seines Gebietes an den Landkreis Frankenberg und an den Kreis Wetzlar der gleichzeitig von der Rheinprovinz in die Provinz Hessen-Nassau umgegliedert wurde.

Bevölkerung

Nach Angaben des Hessischen Statistischen Landesamtes lebten im Landkreis Marburg-Biedenkopf am 30. September 2008 251.159 Menschen.[9] Damit hält der leichte Bevölkerungsrückgang, der etwa 2003 begonnen hat, weiterhin an.
Der neu gebildete Landkreis hatte am 1. Juli 1974 232.632 Einwohner.

Religionen

Die älteste noch bestehende Glaubensgemeinschaft im Landkreis ist die römisch-katholische Kirche. Durch iro-schottische Mönche im siebenten und durch Bonifatius und seine Schüler zu Beginn des achten Jahrhunderts kam der christliche Glaube in den östlichen Teil des heutigen Landkreises durch die Kirchen bei Amöneburg. Im westlichen Teil war eine Taufkapelle in Breidenbach, die bereits in der bonifatischen Zeit bestanden haben soll, Ausgangspunkt für die Christianisierung. In der Folge entstanden viele Kirchen und Klöster, aus denen sich oft kleine Ortschaften entwickelten. Nach der Reformation 1524 wurde von Landgraf Philipp ein Bekenntniswechsel gefordert, wodurch das Gebiet fast ausnahmslos evangelisch-lutherisch geprägt wurde. Lediglich ein Teil des Ostkreises, neben dem heutigen Dekanat Amöneburg auch drei der vier Marburger Stadtteile jenseits der Lahnberge, als vorreformatorisch zum Erzbistum Mainz zugehörig, ist stark katholisch geprägt. Historisch gehört auch die Enklave Katzenberg hierzu, die bis 1866 dem Landkreis Kirchhain angehörte und inzwischen in der Gemeinde Antrifttal im benachbarten Vogelsbergkreis aufgegangen ist.

Juden wurden auf dem Gebiet des heutigen Landkreises 1273 erstmals in Amöneburg erwähnt. Während der Pestjahre um 1350 sowie nach Ausweisungsverfügungen 1524 und 1662 wurden viele Juden gezwungen, das Gebiet zu verlassen oder einen Bekenntniswechsel vorzunehmen. Bis vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten lebten etwa 1400 Juden im Gebiet des heutigen Landkreises.[10] Nach 1933 sank die Zahl der Juden im Landkreis durch Wegzug, Emigration und Deportation gegen null. Nachdem kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zeitweise wieder etwa 250 Juden im heutigen Kreisgebiet lebten, sank die Zahl in den 1970er Jahren auf 20 und stieg seither wieder an auf etwa 100 Mitglieder in der Jüdischen Gemeinde Marburg.

Der weitaus größte Teil der Bevölkerung im Landkreis ist heute evangelisch geprägt. Die beiden größten Gruppen innerhalb wiederum sind die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck mit den Kirchenkreisen Kirchhain und Marburg im Sprengel Marburg und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau mit den Dekanaten Biedenkopf und Gladenbach in der Propstei Nord-Nassau. Die Evangelische Kirche gibt es im Kreis bereits seit ihren Anfängen, da Landgraf Philipp nach der Homberger Synode 1526 den protestantischen Glauben in der Landgrafschaft einführte.

Verwaltung und Politik

Zur Verwaltung des Landkreises ist in Marburg-Cappel das Landratsamt als Behörde eingerichtet. Daneben sind in der ehemaligen Kreisstadt Biedenkopf und in Stadtallendorf Außenstellen des Landkreises eingerichtet. Das Landratsamt nimmt zum einen kommunale Aufgaben, aber auch Aufgaben als untere staatliche Verwaltungsbehörde wahr.

Der Kreisausschuss ist das Selbstverwaltungsorgan des Landkreises. Er bereitet außerdem Beschlüsse für den Kreistag vor und bildet Kommissionen zur Erledigung bestimmter Aufgaben. Der Kreisausschuss besteht aus 15 ehrenamtlichen Kreisbeigeordneten, die aus der Mitte des Kreistages gewählt werden, sowie zwei hauptamtlichen Mitgliedern. Dies sind der Landrat und der Erste Kreisbeigeordnete. Während der Erste Kreisbeigeordnete ebenfalls durch den Kreistag gewählt wird, wird der Landrat direkt von den im Kreisgebiet ansässigen Bürgern gewählt.[11]

Dem Landrat und dem Ersten Kreisbeigeordneten ist jeweils ein Dezernat zugeteilt. Diese bestehen aus verschiedenen Fachbereichen, Stabsstellen, Eigenbetrieben und Zweckverbänden.[12]

Kreistag

Der Kreistag ist die kommunale Volksvertretung auf der Ebene der Landkreise. Vorsitzender des Kreistages Marburg-Biedenkopf ist seit Mai 2011 Detlef Ruffert (SPD).[13] Im Landkreis regierte von 2001 bis 2011 eine Jamaika-Koalition aus CDU, Bündnis 90/Die Grünen und FDP mit Unterstützung der Freien Wähler. Sie gehörte zu den ersten Koalitionen dieser Art überhaupt in Deutschland. Nach der Kommunalwahl 2011 hat die FDP die Koalition verlassen, so dass seit dieser Zeit eine CDU/Bündnis90/DIE GRÜNEN/Freie Wähler-Koalition den Kreis regiert.

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[14] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[15][16][17]

Diagrammdarstellung von Wahlergebnis und Sitzverteilung
Kreistagswahl im Landkreis Marburg-Biedenkopf 2016
 %
40
30
20
10
0
35,0 %
27,2 %
12,5 %
9,5 %
6,5 %
4,5 %
3,9 %
0,9 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2011
 %p
 14
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-1,3 %p
-6,3 %p
+12,5 %p
-6,9 %p
+2,2 %p
+4,5 %p
+1,3 %p
-0,5 %p
-5,6 %p
Anmerkungen:
f 2016: Freie Wähler
i 2011: Wählergruppe Freie Wähler 3,7 %, REP 1,6 %, APPD 0,3 %
Wahlvorschläge %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 35,0 28 36,2 30 36,1 29 38,8 32
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 27,2 22 33,5 27 39,6 32 38,3 31
AFD Alternative für Deutschland 12,5 10
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 9,5 8 16,4 13 8,9 7 8,6 7
DIE LINKE. DIE LINKE. 6,5 5 4,3 4 4,9 4 2,4 2
FREIE WÄHLER Freie Wähler Bundesvereinigung 4,5 4
FDP Freie Demokratische Partei 3,9 3 2,6 2 4,0 4 3,9 3
PIRATEN Piratenpartei Deutschland 0,9 1 1,4 1
FW FWG/Bürger für Marburg-Biedenkopf 3,7 3 4,0 3 3,8 3
REP Die Republikaner 1,6 1 2,5 2 3,7 3
Gesamt 100,0 81 100,0[18] 81 100,0 81 100,0[19] 81
Wahlbeteiligung in % 48,7 50,0 47,3 55,6

Landrat

Landrätin des Landkreises Marburg-Biedenkopf ist seit dem 1. Februar 2014 Kirsten Fründt. Sie gewann am 22. September 2013 in der Stichwahl gegen Marian Zachow (CDU) mit 60,6 % der Stimmen. Die Wahlbeteiligung betrug 64,0 %.[20]

Seit der Entstehung des Landkreises Marburg-Biedenkopf gab es fünf Landräte. 1974 übernahm der Landrat des ehemaligen Kreises Marburg, Burghard Vilmar (SPD), kommissarisch die Aufgabe im neu geschaffenen Kreis, bevor Siegfried Sorge von der Freien Wählergemeinschaft das Amt im Januar 1975 übernahm. Nachfolger wurde im Juni 1981 Christean Wagner (CDU), der bis Juli 1985 im Amt war. Danach leitete Kurt Kliem elf Jahre lang die Geschicke des Landkreises, der dann 1996 von Robert Fischbach als ersten direkt gewählten Kandidaten abgelöst wurde. Im September 2007 war Landrat Robert Fischbach im ersten Wahlgang für eine dritte Amtszeit bis ins Jahr 2014 wiedergewählt worden.

Wappen, Flagge und Banner

Banner, Wappen und Hissflagge
Banner Landkreis Marburg-Biedenkopf.svg DEU Landkreis Marburg-Biedenkopf COA.svg
Flagge Landkreis Marburg-Biedenkopf.svg

Blasonierung:

In Blau der golden gekrönte und bewehrte, zehnmal von Silber und Rot geteilte hessische Löwe, der in seinen Pranken einen silbernen Schild mit durchgehendem schwarzem Kreuz hält (Wappen-Verleihung 1930 und neu am 11. Juli 1975).

Bedeutung:

Der hessische Löwe steht für die Landgrafschaft Hessen bzw. deren Nachfolgestaaten, zu denen das überwiegende Kreisgebiet gehörte. Das Kreuz steht für den Deutschen Ritterorden, der in Marburg eine bedeutende Niederlassung hatte und dem zahlreiche Ländereien gehörten.

Flaggenbeschreibung: „Die Flagge ist gevierteilt von Rot und Weiß im Verhältnis 2:3 mit dem aufgelegten Wappen auf der Vierung. Das Banner ist gevierteilt von Rot und Weiß mit dem aufgelegten Wappen auf der Vierung.“

Kultur

Die meisten kulturellen Aktivitäten des Landkreises geschehen in enger regionaler Abstimmung mit der Universitätsstadt Marburg.

Sprache

Neben dem Hochdeutschen wird im Landkreis auch der Dialekt – das Platt – gepflegt. Der Dialekt gehört zum Mittelhessischen, wobei das Hinterländer Platt überwiegend im westlichen Teil des Landkreises gesprochen wird. Demgegenüber besteht im (nord-)östlichen Teil eher ein Mischgebiet zum Niederhessischen Dialekt. Nachdem bis in die 1960er Jahre der Dialekt noch meist als erste Sprache gesprochen wurde, drohte der Dialekt zum Ende des 20. Jahrhunderts hin auszusterben. Steigendes regionales Bewusstsein, welches sich unter anderem durch die Bildung von Dialektvereinen und deren wissenschaftliche Begleitung an der Philipps-Universität ausdrückt, versuchen dem entgegenzuwirken.[22][23]

Traditionspflege

Der Raum Marburg-Biedenkopf war ehemals die trachtenreichste Region Deutschlands. Insbesondere die Frauentrachten weisen eine große Vielfalt auf. Im Kreis wird unterschieden zwischen den Hinterländer Trachten und den . Nachdem die Männertrachten bereits ab Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Mode kamen, war das Tragen von Frauentrachten ab der Zeit des Nationalsozialismus für Schüler verpönt und teilweise auch untersagt. So verringerte sich die Zahl stetig. Heute sind insbesondere in den Dörfern noch vereinzelt ältere Frauen mit Trachten anzutreffen. Zur Trachtenpflege gibt es im Landkreis einige Trachten- und Trachtentanzvereine.

In einigen Orten werden so genannte „Grenzgangsfeste“ gefeiert. Die großen Grenzgangsfeste im Landkreis finden jeweils alle sieben Jahre in den Orten Biedenkopf, Buchenau, Goßfelden, Wetter und Wollmar statt. Diese Feste gehen auf die Abschreitung der Gemarkungsgrenzen im späten Mittelalter zurück.

Partnerschaften

Diese Partnerschaft besteht offiziell seit Juli 1977; die Grundlagen wurden jedoch bereits 1949 gelegt, als der damalige Kreisjugendpfleger einen Jugendaustausch organisierte.[24]

Weiterhin bestehen freundschaftliche Kontakte mit den deutschen Landkreisen

sowie der italienischen Gemeinde

Wirtschaft und Infrastruktur

Die wirtschaftlichen Schwerpunkte des Landkreises liegen in Marburg, wo besonders der Dienstleistungsbereich durch die Philipps-Universität und die Nachfolgefirmen des einstigen Pharmaunternehmens Behringwerke vertreten ist, in Stadtallendorf, wo neben der Eisengießerei Winter mit Ferrero der größte Arbeitgeber des Kreises beheimatet ist sowie im westlichen Teil des Kreises in der Stadt Biedenkopf und den Gemeinden Breidenbach und Dautphetal, die zusammen als gewerblicher Schwerpunkt ausgewiesen sind. Dort und in Gladenbach-Erdhausen lassen sich einige traditionsreiche und weltbekannte Modell- und Formenbaufabriken finden. Die Gemeinden Bad Endbach, Gladenbach und Lohra betreiben zusammen einen interkommunalen Gewerbepark (siehe Hauptartikel Lahn-Dill-Gebiet). [26]

Der Landkreis weist außerdem eine vergleichsweise niedrige Arbeitslosigkeitsrate auf.

Im Zukunftsatlas 2016 belegte der Landkreis Marburg-Biedenkopf Platz 200 von 402 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „ausgeglichenem Chancen-Risiko Mix“ für die Zukunft.[27]

Verkehr

Das Gesamtgebiet des Landkreises wird von keiner Bundesautobahn durchquert. Aus Nordosten führt nach dem Ende der A 49 bei Borken (Hessen) (Schwalm-Eder-Kreis) die B 3 in das Kreisgebiet, die ab Marburg in Richtung Süden autobahnähnlich ausgebaut über den Gießener Ring (A 485) Anschluss an die A 45 (Köln, Dortmund oder Frankfurt am Main) und A 5 Richtung Frankfurt bietet. In südwestliche Richtung bietet ebenfalls die B 3 Anschluss an die B 255 nach Koblenz und die B 49 nach Limburg. Südöstlich führt die B 62 von der A 5 ab Abfahrt Alsfeld (Vogelsbergkreis) in den Kreis hinein und nordwestlich ebenfalls in Richtung A 45 hinaus.

Wichtige und zum Teil kontrovers diskutierte Verkehrsplanungen und -probleme betreffen vor allem den Weiterbau der A 49, den Lückenschluss der A 4 zwischen Siegen und dem Hattenbacher Dreieck sowie den Bau von Umgehungsstraßen entlang der B 62 im relativ engen Lahntal und der B 252.

Die wichtigste Eisenbahnverbindung des Landkreises ist die Strecke der Main-Weser-Bahn Frankfurt–Gießen–Kassel mit IC-Halt allein in Marburg. Regionalexpress-Züge auf der Strecke Frankfurt–Kassel halten in Marburg, Kirchhain, Stadtallendorf und Neustadt. Eingleisige Nebenstrecken verbinden Marburg einerseits mit Frankenberg (die so genannte Burgwaldbahn) sowie andererseits mit Erndtebrück (Kreis Siegen-Wittgenstein, Nordrhein-Westfalen) über die Obere Lahntalbahn. Von 1905 bis 1972 betrieb der Kreis Marburg eine eigene Eisenbahnstrecke vom Bahnhof Marburg-Süd in den Ebsdorfergrund nach Dreihausen (Marburger Kreisbahn).

Der Nahverkehr wird vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) in Kooperation mit dem organisiert. Den Zuschlag für die im Landkreis erstmals verteilten Linienbündel der Buslinien erhielt für den Bereich „LMR-Nordwest“ die Verkehrsgesellschaft Mittelhessen. Die beiden Linienbündel „LMR-Nordost“ und „LMR-West“ wurden im Jahr 2006 vergeben.

Der internationale Flughafen Frankfurt am Main liegt etwa eine Autostunde entfernt, Zugverbindungen benötigen mit Umsteigen Frankfurt (Main) Hauptbahnhof ungefähr eine Stunde und zwanzig Minuten.

Ein kleiner Flugplatz befindet sich im Cölber Ortsteil Schönstadt, ein Sonderlandeplatz im Bad Endbacher Ortsteil Bottenhorn.

Durch den Landkreis verläuft im Marburg-Gießener Lahntal der für den Tourismus bedeutsame Lahntalradweg von Nord nach Süd, eine nahezu steigungsfreie, als ADFC-4-Sterne-Route bewertete Verkehrsverbindung, die über den Freizeitbereich hinaus auch für den Alltagsverkehr im Radverkehrsnetz der Region Bedeutung hat.

Die Gesamtlänge des Radroutennetzes beträgt 1200 Kilometer, wovon etwa 450 km mit Wegweisung und Radverkehrsinfrastruktur ausgebaut sind. Es bestanden im Jahr 2015 Netzlücken von 20 km.[28][29]

Weitere touristische Themenrouten (etwa 450 km) wie etwa den Burgwaldradweg, Otto-Ubbelohde-Radweg oder den Salzböderadweg siehe im Wikipedia-Artikel Radwegenetz Hessen.

Gemeinden

Nachfolgend findet sich eine Auflistung aller Gemeinden des Landkreises. Unter „Altkreis“ werden die Gemeinden den drei ehemaligen Landkreisen Biedenkopf (bis 1974, Westen, Hessisches Hinterland), Kirchhain (bis 1932, Ostkreis) und Marburg (zentral, vor der Eingliederung des Kreises Kirchhain 1932) zugeordnet.

Die Einwohnerzahlen der Gemeinden beziehen sich auf den 31. Dezember 2018.[30]

Münchhausen (am Christenberg)BiedenkopfBreidenbachSteffenbergAngelburgBad EndbachDautphetalGladenbachLohraFronhausenWetter (Hessen)LahntalRauschenbergWohratalCölbeWeimar (Lahn)MarburgEbsdorfergrundNeustadt (Hessen)KirchhainAmöneburgStadtallendorfNordrhein-WestfalenLandkreis Waldeck-FrankenbergSchwalm-Eder-KreisLahn-Dill-KreisLandkreis GießenVogelsbergkreisMarburg Biedenkopf.png
Über dieses Bild
Ort

Stadtrechte
seit
Zentralität
(Regionalplan
Mittelhessen)
[31]
Mittel-
zentrums-
bereich[31]

Anzahl
Ortsteile
Altkreis

Einwohner
(Kernort)
Einwohner
gesamt
Fläche
[km²]
Amöneburg 11?? 5Kleinzentrum Kirchhain 5 Kirchhain 1.500 5096 43,95
Angelburg (Sitz: Gönnern) entfällt 4Unterzentrum* Biedenkopf 3 Biedenkopf 1.500 3566 16,72
Bad Endbach entfällt 5Kleinzentrum Gladenbach 8 Biedenkopf 2.300 7928 40,84
Biedenkopf 1254 2Mittelzentrum Biedenkopf 9 Biedenkopf 6.200 13.614 90,33
Breidenbach entfällt 3Unterzentrum Biedenkopf 7 Biedenkopf 3.200 6711 44,83
Cölbe entfällt 5Kleinzentrum Marburg 6 Marburg 3.600 6695 26,66
Dautphetal (Sitz: Dautphe) entfällt 3Unterzentrum Biedenkopf 12 Biedenkopf 2.400 11.475 72,03
Ebsdorfergrund (Sitz: Dreihausen) entfällt 5Kleinzentrum Marburg 11 Marburg 1.500 8879 72,89
Fronhausen entfällt 5Kleinzentrum Marburg 7 Marburg 2.300 4119 27,88
Gladenbach 1937 2Mittelzentrum Gladenbach 15 Biedenkopf 4.000 12.262 72,28
Kirchhain 1352 2Mittelzentrum Kirchhain 13 Kirchhain 7.700 16.298 90,92
Lahntal (Sitz: Sterzhausen) entfällt 5Kleinzentrum Marburg 7 Marburg 2.000 6978 40,49
Lohra entfällt 5Kleinzentrum Gladenbach 10 Marburg 2.500 5431 49,18
Marburg
(Universitäts-, Sonderstatus- und Kreisstadt)
1222 1Oberzentrum Marburg 19 Marburg 50.000 76.851 124,5
Münchhausen entfällt 5Kleinzentrum Marburg 5 Marburg 1.200 3308 41,54
Neustadt 1270 3Unterzentrum Stadtallendorf 4 Kirchhain 6.700 9586 56,88
Rauschenberg 1266 5Kleinzentrum Kirchhain 7 Kirchhain 2.200 4395 67,33
Stadtallendorf 1960 2Mittelzentrum Stadtallendorf 6 Kirchhain 16.900 21.456 78,29
Steffenberg (Sitz: Niedereisenhausen) entfällt 4Unterzentrum* Biedenkopf 6 Biedenkopf 1.200 3976 24,32
Weimar (Sitz: Niederweimar) entfällt 5Kleinzentrum Marburg 12 Marburg 2.600 7114 47,05
Wetter 1239 3Unterzentrum Marburg 10 Marburg 4.500 8718 104,56
Wohratal (Sitz: Wohra) entfällt 5Kleinzentrum Kirchhain 4 Kirchhain 1.000 2192 30,66

(*): Die Unterzentren Steffenberg und Angelburg sind als Unterzentren mit Kooperationsbedarf (miteinander und mit dem benachbarten Unterzentrum Breidenbach) ausgewiesen und erfüllen nicht vollständig die Kriterien für Unterzentren.

Neben den oben aufgeführten Städten genießen auch der Stadtallendorfer Ortsteil Schweinsberg (seit 1332) und der Biedenkopfer Ortsteil Breidenstein (seit 1398) historische Stadtrechte.

Mittelzentrumsbereiche

Aufgrund der hervorgehobenen Stellung des Oberzentrums Marburg ist der Mittelzentrumsbereich Marburg, der sich, von der Gemeinde Lohra abgesehen, vollständig mit dem Altkreis Marburg in seiner Zusammensetzung bis 1932 deckt, sehr weitreichend auf die Universitätsstadt ausgerichtet, wobei lediglich die Stadt Wetter im Norden eine bedingt komplette Infrastruktur aufweist.

Zwar verfügen Wetter, Ebsdorfergrund (in Heskem) und Weimar (in Niederwalgern) über größere Gesamtschulen, jedoch müssen diese ohne gymnasiale Oberstufe auskommen, d. h. das Abitur selbst ist nur in der Kreisstadt möglich, die auch über drei relativ große Berufsschulen mit jeweiligem Fächerschwerpunkt verfügt.

Im Ostkreis teilen sich die ehemalige Kreisstadt Kirchhain und die mittlerweile einwohnerstärkere Industriestadt Stadtallendorf als Mittelzentren teilweise die Aufgaben. Während Kirchhain u. a. Sitz der weiterführenden Schulen ist (die Stadt verfügt sowohl über eine Berufsschule als auch über eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe), besitzt Stadtallendorf eine Außenstelle des Landratsamtes. Beide Städte sind als Einkaufsstädte jeweils relativ eigenständig, ergänzen sich jedoch in spezielleren Angeboten. Wie Stadtallendorf verfügt auch Neustadt über eine Gesamtschule ohne gymnasiale Oberstufe; in der sonstigen Infrastruktur ist die Stadt zwar halbwegs eigenständig, jedoch schwächer ausgestattet als die beiden Mittelzentren.

Alle übrigen Städte und Gemeinden des Ostkreises weisen eher dörflichen Charakter auf, wobei Amöneburg allerdings über ein privates Gymnasium verfügt.

Der Westen des Landkreises (Hessisches Hinterland) ist größtenteils auf die ehemalige Kreisstadt Biedenkopf als Mittelzentrum ausgerichtet, wobei jedoch speziell Dautphetal und Breidenbach durchaus über die Infrastrukturen von mittleren Kleinstädten verfügen. Biedenkopf verfügt u. a. über ein Gymnasium, eine Berufsschule und eine Außenstelle des Landratsamtes.

Im Süden des Hinterlandes stellt Gladenbach, nicht zuletzt aufgrund seiner räumlichen Abgeschiedenheit, das zweite Mittelzentrum dar. Es ist deutlich weniger von Industrie geprägt, beherbergt indes die Kneipp-Heilbäder Gladenbach und Bad Endbach.

Die Gladenbacher Gesamtschule stellt die einzige Schule im Hinterland außerhalb Biedenkopfs dar, die die Möglichkeit für einen höheren Abschluss bietet.

Alles in allem bleibt das Einzugsgebiet Gladenbachs jedoch beschränkt, während Biedenkopf z. T. auch (Neben-)Zentrumsfunktionen für den Nordkreis (Lahntal, Wetter), angrenzende Gemeinden des Lahn-Dill-Kreises (Dietzhölztal, Eschenburg) und des Landkreises Waldeck-Frankenberg (Hatzfeld und z. T. Battenberg) sowie, in Funktionsteilung mit dem benachbarten Laasphe, auch für den Südosten des Kreises Siegen-Wittgenstein (NRW) ausübt.

Regionalverbände

  • Die Mittelzentrumsbereiche Biedenkopf und Gladenbach sind Teil von Region und Naturpark Lahn-Dill-Bergland.[32]
  • Die dörflichen Außenstadtteile Marburgs (d. h. ohne Kernstadt, Cappel, Wehrda und Marbach) bilden zusammen mit Weimar, Fronhausen, Ebsdorfergrund und Amöneburg die Region Marburger Land.[33]
  • Der Norden der Mittelzentrumsbereiche Marburg (Lahntal, Wetter, Münchhausen, Cölbe) und Kirchhain (Kirchhain, Rauschenberg, Wohratal) sind Teil der Region Burgwald(-Ederbergland).[34]
  • Der Kernstadtbereich des Oberzentrums Marburg (mit Cappel, Wehrda und Marbach) und der Mittelzentrumsbereich Stadtallendorf (inklusive Neustadt) sind in keinem gesonderten Regionalverband.

Kfz-Kennzeichen

Am 1. Juli 1974 wurde dem Landkreis das seit dem 1. Juli 1956 für den Landkreis Marburg gültige Unterscheidungszeichen MR zugewiesen. Es wird durchgängig bis heute ausgegeben.

Bis in die 1990er Jahre erhielten Fahrzeuge aus dem Altkreis Biedenkopf Kennzeichen mit den Buchstabenpaaren LA bis MZ und TA bis TZ und den Zahlen von 100 bis 999.

Seit dem 2. Januar 2013 ist auch wieder das Unterscheidungszeichen BID (Biedenkopf) erhältlich.

siehe: Kennzeichenliberalisierung.

Siehe auch

Literatur

  • Karl Huth: Der Landkreis Marburg-Biedenkopf, Verwaltungs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte. 2. erweiterte Auflage. Hrsg.: Kreisausschuss des Landkreises Marburg-Biedenkopf, Marburg 1984
  • Karl Diefenbach: Der Landkreis Marburg, seine Entwicklung aus Gerichten, Herrschaften und Ämtern bis ins 20. Jahrhundert. 2. Auflage. Hrsg. Institut für geschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau, N.G. Elwert Verlag, Marburg 1963
  • Ulrich Lennarz: Die Territorialgeschichte des hessischen Hinterlandes. Hrsg. Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde, N.G. Elwert’sche Verlagsbuchhandlung, Marburg 1973
  • Ulrich Reuling: Historisches Ortslexikon Biedenkopf, Ehem. Landkreis. Hrsg. Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde, N.G. Elwert Verlag, Marburg 1986
  • Ulrich Reuling: Historisches Ortslexikon Marburg, Ehem. Landkreis und kreisfreie Stadt. Hrsg. Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde, N.G. Elwert Verlag, Marburg 1979
  • Hermann Ruttmann: Vielfalt der Religionen: am Beispiel der Glaubensgemeinschaften im Landkreis Marburg-Biedenkopf. (REMID-Publikation). diagonal-Verlag, Marburg 1995, ISBN 3-9802994-6-5

Weblinks

 Commons: Landkreis Marburg-Biedenkopf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerungsstand am 31.12.2018 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Umweltatlas Hessen – Naturraumkarten und -beschreibungen im Umweltatlas Hessen, Dr. Otto Klausing, Wiesbaden 1988
  3. BfN (Memento des Originals vom 19. Dezember 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2 – interaktive Kartendienste und Landschaftssteckbriefe
  4. Umweltatlas Hessen. In: Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie 2005, [1. Februar 2006]
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 414.
  6. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Frankenberg und Waldeck vom 28. September 1973 GVBl. I S. 359
  7. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 8 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  8. Was die Grenzen angeht, ist jedoch zu beachten, dass die Gemarkungsgrenze zwischen Marburg und Bauerbach anders als die heutige Stadtteilgrenze verlief, sodass das heute nominell zur Kernstadt gehörige Gebiet der Lahnberge teilweise noch zu Bauerbach gehörte (bis 1964).
  9. Bevölkerung in den Verwaltungsbezirken am 30. September 2008 und Bevölkerungsvorgänge im 3. Vierteljahr 2008 (Memento vom 18. November 2012 im Internet Archive)
  10. Ruttmann 1995, S. 40 f.
  11. www.marburg-biedenkopf.de →Politik→Kreisorgane→Kreisausschuss→Allgemein (Memento des Originals vom 14. Februar 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2
  12. Die Aufteilung der Dezernate findet sich im Dezernatsverteilungsplan (PDF; 23 kB)@1@2 (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., die Verwaltungsaufteilung im Organigramm Verwaltung (PDF; 35 kB)@1@2 (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  13. Marburger Rundschau vom 20. Mai 2012
  14. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2016 und 2011
  15. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2011 und 2006
  16. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2006 und 2001
  17. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2001 und 1997
  18. Die APPD errang 2011 keinen Sitz, aber 0,3 % der Stimmen.
  19. Die Tierschutzpartei und die NPD errangen 2001 keine Sitze, aber 0,4 % bzw. 0,1 % der Stimmen.
  20. Hessisches Statistisches Landesamt: Direktwahlen im Landkreis Marburg-Biedenkopf
  21. Landkreis Marburg-Biedenkopf: „Der Otto-Ubbelohde-Preis und seine Richtlinien“ (Memento vom 14. Februar 2015 im Internet Archive)
  22. Dialekt im Hinterland e.V.
  23. Arbeitsstelle Sprache in Hessen (Memento vom 6. September 2009 im Internet Archive)
  24. 30 Jahre Partnerschaft mit englischem District Huntingdonshire, Pressemitteilung LK MR-BID; 2. Oktober 2007 (Memento vom 14. Mai 2011 im Internet Archive)
  25. Übersicht der Partnerschaften (Memento vom 9. April 2009 im Internet Archive) auf www.marburg-biedenkopf.de – Fast vier Jahrzehnte währende Freundschaft zwischen dem Landkreis Marburg-Biedenkopf und der Gemeinde Lüsen sowie 25-jähriges Partnerschaftsjubiläum der Gemeinde Steffenberg mit Lüsen (Memento vom 14. Februar 2015 im Internet Archive)
  26. Regionalplan Mittelhessen – Entwurf zur Anhörung 2006, S. 66
  27. Zukunftsatlas 2016. Archiviert vom Original; abgerufen am 23. März 2018.
  28. Radroutennetz im Landkreis Marburg-Biedenkopf (Bestandsaufnahme)@1@2 (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., marburg-biedenkopf.de, (PDF), abgerufen am 23. Februar 2016
  29. Radverkehrskonferenz im Landkreis Marburg-Biedenkopf mit Bürgerbeteiligung am 15. September 2015 (Memento vom 23. Februar 2016 im Internet Archive), abgerufen am 23. Februar 2016
  30. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerungsstand am 31.12.2018 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  31. a b Regionalplan 2001 für Mittelhessen (PDF; 1,9 MB)@1@2 (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (*:mit Kooperationsbedarf)
  32. Region und Naturpark Lahn-Dill-Bergland (Memento vom 21. Januar 2009 im Internet Archive)
  33. Region Marburger Land
  34. Region Burgwald-Ederbergland
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